Rund 7,8 Millionen Menschen in Deutschland haben laut Statista im Jahr 2023 kostenpflichtige Dating-Apps oder Partnerschaftsportale genutzt. Dazu kommen Millionen weitere, die kostenlose Angebote verwenden. Die Nachfrage ist enorm, und mit ihr wächst ein Problem: Betrug, gefälschte Profile und undurchsichtige Geschäftspraktiken haben sich auf Plattformen aller Art etabliert. Wer sorglos vorgeht, riskiert nicht nur Enttäuschungen, sondern auch finanziellen Schaden und den Missbrauch persönlicher Daten.
Fake-Profile erkennen: Die häufigsten Warnsignale
Das sogenannte Romance Scamming hat sich zu einem ernsthaften Phänomen entwickelt. Das Bundeskriminalamt registrierte zuletzt mehrere tausend Anzeigen pro Jahr, die Dunkelziffer liegt erheblich höher. Täter investieren oft Wochen, manchmal Monate, um Vertrauen aufzubauen, bevor sie um Geld bitten. Typische Muster sind dabei auffallend konsistent.
Konkrete Warnsignale sind unter anderem:
- Profilfotos, die bei einer umgekehrten Bildersuche (Google Images oder TinEye) auf anderen Webseiten auftauchen
- Kontakte, die sehr schnell sehr starke Gefühle äußern und auf eine Kommunikation außerhalb der Plattform drängen
- Personen, die angeblich im Ausland arbeiten (Militär, Öl-Plattform, humanitäre Hilfe) und sich nie zu einem Videoanruf bereit erklären
- Geldforderungen, egal in welcher Verkleidung: Krankenhaus, Flugticket, Zollgebühren
Wer unsicher ist, ob ein Profil echt ist, sollte frühzeitig einen kurzen Videoanruf vorschlagen. Wer sich dauerhaft weigert oder technische Ausreden erfindet, gibt damit schon eine wichtige Antwort.
Datenschutz: Was Plattformen über Sie speichern
Dating-Apps gehören zu den datenhungrigsten Anwendungen überhaupt. Sie verarbeiten Standortdaten, Kommunikationsinhalte, sexuelle Präferenzen und Verhaltensprofile. Ein Bericht der norwegischen Verbraucherschutzbehörde Forbrukerrådet hat bereits 2020 nachgewiesen, dass mehrere große Apps sensible Nutzerdaten an Werbenetzwerke weitergaben, ohne dass Nutzer davon wussten.
Wer sich anmeldet, sollte deshalb folgende Punkte prüfen:
- Wo hat das Unternehmen seinen Sitz? Nur Anbieter mit Sitz im EWR unterliegen automatisch der DSGVO.
- Lässt sich das Konto vollständig löschen, inklusive aller gespeicherten Daten?
- Werden Daten an Dritte weitergegeben, und zu welchem Zweck?
- Gibt es eine klare Regelung zur Datenspeicherung nach Kündigung des Kontos?
Ein einfaches Mittel: Für Dating-Plattformen eine separate E-Mail-Adresse anlegen. So lässt sich verhindern, dass im Fall eines Datenlecks die Hauptadresse kompromittiert wird.
Seriöse Plattformen von Abzocke unterscheiden
Der Markt ist unübersichtlich. Neben etablierten Anbietern wie Parship, ElitePartner oder Lovoo existieren Hunderte kleinerer Portale, deren Seriosität schwer einzuschätzen ist. Manche arbeiten mit automatisierten Fake-Profilen, die Nutzer zu kostenpflichtigen Nachrichten verleiten sollen. Andere locken mit scheinbar kostenlosen Basisaccounts, sperren aber alle wesentlichen Funktionen hinter Bezahlschranken, ohne das transparent zu kommunizieren.
Für eine seriöse Partnersuche im Netz lohnt es sich, gezielt Anbieter zu wählen, die transparent über Kosten, Datenschutz und Algorithmen informieren. Verbraucherportale wie Stiftung Warentest haben mehrfach Dating-Apps verglichen und dabei erhebliche Unterschiede in Transparenz und Datensicherheit festgestellt.
Folgende Merkmale sprechen für einen seriösen Anbieter:
- Impressum mit vollständiger Unternehmensadresse und Ansprechpartner
- Klar ausgewiesene Preise vor der Registrierung
- Nachvollziehbares Widerrufsrecht bei Abonnements
- Aktiver Kundendienst, der auf Anfragen antwortet
- Maßnahmen zur Profilverifizierung
Rechtliche Aspekte: Abo-Fallen und Widerrufsrecht
Ein häufiges Problem ist das unbeabsichtigte Abschließen kostenpflichtiger Abonnements. Viele Portale setzen auf Autorenew-Klauseln: Das Abo verlängert sich automatisch, wenn es nicht rechtzeitig gekündigt wird, manchmal mit einer Frist von 14 Tagen vor Ablauf. Wer das übersieht, zahlt oft für Monate, die er gar nicht nutzt.
Grundsätzlich gilt für Verträge, die online abgeschlossen werden, ein 14-tägiges Widerrufsrecht nach Paragraf 355 BGB. Dieses gilt allerdings nicht, wenn der Dienst auf ausdrücklichen Wunsch des Nutzers sofort gestartet wurde und bereits vollständig erbracht wurde. In der Praxis bedeutet das: Wer sofort auf Premium-Funktionen zugreift, kann sein Widerrufsrecht unter Umständen verlieren. Manche Anbieter nutzen diese Regelung bewusst aus, indem sie Nutzer dazu bringen, den Dienst unmittelbar nach dem Kauf zu aktivieren.
Wer sich in einer solchen Situation befindet oder glaubt, unberechtigte Abbuchungen zu erleiden, sollte zeitnah einen Anwalt für Verbraucherrecht oder IT-Recht konsultieren. Auch die Verbraucherzentralen der Bundesländer bieten in solchen Fällen erste Orientierung.
Das erste Treffen: Sicherheit im realen Leben
Auch wenn der rechtliche und digitale Rahmen stimmt, bleibt das erste Treffen eine Situation, die eigene Vorsichtsmaßnahmen erfordert. Statistiken zu Übergriffen nach Dating-App-Bekanntschaften werden in Deutschland nicht systematisch erfasst, aus dem Vereinigten Königreich und den USA sind jedoch Fallzahlen im hohen vierstelligen Bereich bekannt. Das bedeutet nicht, dass Online-Dates gefährlich sind, aber es bedeutet, dass ein strukturierter Umgang sinnvoll ist.
Bewährte Grundregeln für das erste Treffen:
- Treffpunkt immer an einem belebten, öffentlichen Ort wählen, niemals in einer Privatwohnung
- Einer vertrauten Person mitteilen, wo man sich trifft und mit wem
- Eigene An- und Abreise organisieren, nicht auf Mitfahrangebote des Dates angewiesen sein
- Das erste Treffen kurz halten: ein Kaffee reicht für einen ersten Eindruck
- Kein übermäßiger Alkoholkonsum, der die Wahrnehmung einschränkt
Fazit: Vorsicht ist keine Romantikkiller
Online-Dating funktioniert für viele Menschen. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2021 hat bereits jedes fünfte Paar in Deutschland seinen Partner oder seine Partnerin über das Internet kennengelernt. Diese Zahl steigt. Die Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist aber, dass man mit offenen Augen vorgeht.
Wer Fake-Profile erkennt, Datenschutzfragen ernst nimmt, Abo-Bedingungen liest und das erste Treffen strukturiert, reduziert die Risiken erheblich, ohne die Chancen zu verspielen. Rechtliche Fragen rund um unberechtigte Abbuchungen, Datenmissbrauch oder Persönlichkeitsverletzungen durch andere Nutzer lassen sich mit anwaltlicher Unterstützung klären. Der erste Schritt ist jedoch immer derselbe: informiert und aufmerksam bleiben.
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