Das Glücksspiel gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der europäischen Unterhaltungsindustrie. Digitale Plattformen, mobile Anwendungen und Streaming-Angebote haben klassische Spielhallen in den Hintergrund gedrängt.
Mit der digitalen Expansion wächst aber auch die Bedeutung der steuerlichen Rahmenbedingungen, die für Anbieter wie Spieler entscheidend sind.
Deutschland: Einsatzsteuer als Dauerstreitthema
In Deutschland ist das Glücksspiel seit 2021 durch den Glücksspielneuregulierungstaatsvertrag und das angepasste Rennwett- und Lotteriegesetz umfassend neu geregelt. Das Herzstück dieser Ordnung ist die sogenannte Einsatzsteuer. Auf jeden Spieleinsatz, unabhängig vom Gewinn, fällt eine Steuer von 5,3 Prozent an. Dieses Modell betrifft vor allem Online-Glücksspielangebote wie virtuelle Automatenspiele und Poker.
Das Konzept verfolgt das Ziel, stabile Staatseinnahmen zu schaffen und gleichzeitig legale Anbieter zu begünstigen. Doch in der Praxis zeigt sich, dass die Belastung insbesondere kleinere Betreiber vor große Herausforderungen stellt.
Sie müssen die Steuer unabhängig vom Spielergebnis abführen und kalkulieren deshalb oft mit geringeren Auszahlungsquoten. Das führt zu einem Spannungsfeld zwischen Steuerertrag und Wettbewerbsfähigkeit und sorgt dafür, dass immer mehr deutsche Spieler in Online Casinos aus dem EU-Ausland ausweichen.
Dort genießen sie größere Freiheit und unter anderem keine 1 € Limits, wodurch sie selbstbestimmter spielen können. Für den Staat ist das ein Problem, denn er verdient nicht am Spiel auf diesen Seiten.
Im Jahr 2023 lagen die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel in Deutschland bei rund 2,5 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Beiträge aus Lotterien, Sportwetten und Online-Angeboten. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr zählt das Glücksspiel damit weiterhin zu den konstanten Einnahmequellen des Bundes.
Rechtlich betrachtet ist die Einsatzsteuer jedoch umstritten. Viele Juristen und Wirtschaftsverbände argumentieren, dass eine Steuer auf den Bruttospielertrag, also auf den tatsächlichen Gewinn der Betreiber, gerechter und ökonomisch nachhaltiger wäre.
Eine solche Regelung würde Anreize für faire Auszahlungsquoten schaffen und Innovationen im Markt fördern. Bisher haben die Länder aber keine Reform beschlossen. Die Frage dürfte im Zuge der anstehenden Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2026 erneut auf die Agenda kommen.
Österreich: Gewinnfreistellung für Spieler, Abgabe für Anbieter
Österreich verfolgt im Gegensatz zu Deutschland ein Modell, das stärker auf den Bruttospielertrag der Betreiber abzielt. Anbieter zahlen eine Glücksspielabgabe, deren Höhe vom jeweiligen Produkt abhängt, während Gewinne der Spieler grundsätzlich steuerfrei bleiben, sofern nicht gewerbsmäßig gespielt wird. Diese Regelung stärkt die Attraktivität des Marktes und sorgt für rechtliche Klarheit.
Spielerinnen und Spieler profitieren von der Steuerfreiheit, was auch das Vertrauen in legale Anbieter erhöht. Für Unternehmen bedeutet das System Berechenbarkeit, da die Steuerlast direkt an den wirtschaftlichen Erfolg gekoppelt ist. Eine Abgabe von rund fünf Prozent des Bruttospielertrags ist in der Praxis die Regel.
Für 2025 ist in Österreich allerdings eine moderate Anpassung der Glücksspielabgabe im Gespräch. Mit dem stetigen Wachstum des Online-Markts steigen auch die Einnahmeerwartungen des Staates. Zudem steht eine Modernisierung des Lizenzsystems bevor, um europäische Standards stärker einzubinden. Damit sollen Wettbewerb und Verbraucherschutz in Einklang gebracht werden.
Juristisch gilt Österreich als Beispiel für eine vergleichsweise stabile und planbare Glücksspielpolitik. Der Fokus liegt auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Steuergerechtigkeit, Marktschutz und Spielersicherheit. Für Rechtsanwälte und Betreiber bleibt der Markt dennoch herausfordernd, da nationale Vorschriften regelmäßig mit EU-Vorgaben abgeglichen werden müssen.
Schweiz: Progressives System mit klarer Struktur
Die Schweiz verfolgt mit dem Bundesgesetz über Geldspiele ein eigenes, progressiv gestaffeltes Modell. Der Steuersatz richtet sich nach dem Bruttospielertrag, also der Differenz zwischen Einsätzen und Gewinnen. Bis zu einem Ertrag von drei Millionen Franken beträgt die Steuer 20 Prozent, bei höheren Summen steigt sie schrittweise an und kann bis zu 80 Prozent erreichen.
Für die Spieler gelten klare und transparente Regeln. Gewinne bis zu einer Million Franken aus Online-Spielbankenspielen bleiben steuerfrei, erst darüber hinaus greift die Verrechnungssteuer von 35 Prozent. Diese hohe Schwelle sorgt dafür, dass nur ein sehr kleiner Teil der Spielgewinne überhaupt steuerpflichtig ist.
Die Schweiz unterscheidet sich auch dadurch, dass sie nur eine begrenzte Zahl von Lizenzen vergibt. Derzeit sind zwölf Online-Spielbanken offiziell zugelassen. Damit setzt das Land auf Qualität statt Quantität, und ein Modell, das den Markt kontrollierbar und rechtlich stabil hält.
Interessant ist zudem, dass die Steuereinnahmen zweckgebunden verteilt werden. Ein erheblicher Teil fließt an soziale Einrichtungen und an die Alters- und Hinterlassenenversicherung. Damit wird das Glücksspiel nicht nur als fiskalische Einnahmequelle verstanden, sondern auch als gesellschaftlicher Faktor, dessen Erträge wieder der Allgemeinheit zugutekommen.
Einnahmen, Belastung und Standortpolitik
Ein Blick auf die Steuererträge verdeutlicht die wirtschaftliche Dimension des Glücksspiels. Deutschland liegt mit seinen 2,5 Milliarden Euro jährlich deutlich vor seinen Nachbarn. Österreich erwirtschaftet Schätzungen zufolge über 200 Millionen Euro pro Jahr, während die Schweiz mit etwa 100 Millionen Franken aus Spielbanken und Lotterien eine stabile, aber kleinere Basis hat.
Diese Unterschiede sind nicht nur auf die Marktgröße zurückzuführen, sondern vor allem auf die Steuerstruktur. Eine Einsatzsteuer wie in Deutschland belastet Anbieter stärker, während Modelle auf Basis des Bruttospielertrags, wie in Österreich und der Schweiz, dynamischer mit der Marktleistung mitwachsen.
Steuerpolitisch ergeben sich daraus klare Standortfolgen. Deutschland gilt als anspruchsvoll und für internationale Anbieter weniger attraktiv. Einige Unternehmen verlagern ihre Server oder Verwaltungssitze in andere EU-Länder, wo Steuer- und Lizenzbedingungen flexibler sind.
Österreich zieht hingegen durch moderate Abgaben und EU-Rechtssicherheit mehr Investoren an. Die Schweiz bleibt mit ihrem progressiven Modell ein Sonderfall: Wenige Anbieter, aber hohe Kontrolle und hohe Transparenz.
Gemeinsame Herausforderungen
Die Glücksspielsteuern in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen drei unterschiedliche Wege, wie staatliche Einnahmen, Marktinteressen und rechtliche Kontrolle miteinander verknüpft werden können.
Deutschland setzt auf eine starre Einsatzsteuer, die kurzfristig Einnahmen sichert, langfristig aber Innovationsdruck erzeugt. Österreich kombiniert Steuerfreiheit für Spieler mit moderaten Abgaben für Anbieter und schafft damit ein ausgewogenes Umfeld. Die Schweiz wiederum verfolgt einen klar strukturierten, progressiven Ansatz, der durch Transparenz und soziale Rückführung überzeugt.
Für das Jahr 2025 bleibt entscheidend, wie diese Modelle auf neue Marktveränderungen reagieren. Die rechtliche Entwicklung wird zeigen, ob die Länder ihre Systeme anpassen, vereinheitlichen oder weiter diversifizieren.
Fest steht, Glücksspielsteuern sind nicht nur ein fiskalisches Thema, sie sind ein juristischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor, der darüber entscheidet, wie digitaler Wettbewerb in Europa künftig gestaltet wird.




